Die Mär vom Social Hacking
Klagenfurt, Mitte Mai 2009. Es beginnt mit einem SMS vom Douglas, besagend, dass das Kara halb down ist, keine Connections mehr annimmt und generell rumbitcht. Also nehm ich die Reifen unter den Arm und düse zur Uni, in der Hoffnung, dass die ganze Sache wohl kaum mehr als 20min in Anspruch nehmen wird. *GG*
Es sei allhier gesagt, dass der Zutritt zum KaraNet-Kasten nur mit einem Schlüssel möglich ist, der im ZID der Uni Klu verwahrt wird. Um also an diesen Schlüssel zu kommen, muss erst das ZID-Büro geöffnet werden - dort hängt er dann. Friedlich die Zeiten überdauernd bis da einer kommen wird, wenn die Not am größten ist und aus einem Stück Blech mit einem Plastik-Anhänger den Silberstreif einer Online Community zu machen.
Doch halt!
Der Uni-Portier, der mein Sohn sein könnte und aussieht, als würde er in seiner Freizeit die neuesten Härchen auf seiner Oberlippe (und sonstwo) zu katalogisieren, macht mich darauf aufmerksam, dass ER das nicht machen darf. Sicherheitsbestimmungen.
Vermutlich, sehr wahrscheinlich geradezu, hilft mir bei meinen Bemühungen der Umstand NICHT, dass an just diesem Abend an der Uni Klagenfurt eine Uni-Party eines nicht näher dokumentierten Veranstalters abgehalten wird.
Was in erster Instanz dazu führt, dass mich eine finster dreinblickende Rotte von Group4-Leathernecks dabei beobachtet, wie ich unserem postpubertären Freund hinter der Glasscheibe versuche klarzumachen, dass ich ins ZID muss. Keine Chance. Neh, da frag ich lieber den Herrn Schauer! (Anm.: Haus- und Hofmeister der Uni Klu) Direkt darauf habe ich ein Handy am Ohr, das mir erklärt, dass nur ZID-Menschen jetzt noch ins ZID dürfen.
Kurze Verzweiflung, gefolgt von intensivem Grübeln bringen mich auf eine Idee: Wohlbekannt ist mir ein Junker, lobesam, dessen Schneid und Kameradschaft mir wie ein Leuchtfeuer an einem düsteren Ort erscheinen wollen - auf zum Mozartheim!
Pete will save the day!
Doch mit großer Sorge muss ich dort erkennen, dass ich selbst den beherzten Pete mit meiner Bitte an die Grenzen seiner Tugend treibe, ja schon beinah Unheiliges verlangend.
Doch am Ende überwinden sein großmütiges Herz und sein untadeliger Charakter seine berechtigten Sorgen und er übergibt mir zu treuen Handen dem Schlüssel für den gesuchten Raum im ZID.
Auf zur Uni!
Zuvor erwähnte Uni-Party kann mich jetzt nicht mehr stoppen und ich schummle und scherze mich durch 2-3 Security-Sperren - und bin endlich beim ZID! Hole den Schlüssel. Renne zurück. Wieder scherzen bei den Sperren. Rauf zum PC-Gang Ost. Gangtüre auf! Nein. Türe nicht auf. Türe zugeversperrt!!
Ich gurke also zum Portier, dessen Gesichtsausdruck gottseidank immer noch eine gewisse ahnungslose Gleichgültigkeit verbreitet und erkläre ihm schonend, dass ich bitte bitte in den PC-Gang Ost muss.
„Aha… naja, olso des mochma normal net“ gibt der gute Mann aufstehend von sich und begleitet mich zur fraglichen Türe. Amen! Die beiden Kastentüren des Kara-Schränkchens ergeben sich der Macht meines Schlüssels praktisch widerstandslos. Die eigentliche Reparatur kann – ca. 1 Stunde nach Beginn der Mission – endlich beginnen.
Allein, meine Fähigkeiten, die Linux-Kisten, auf denen das KaraNet und die Entwicklungsumgebung (und ich weiss net was sonst noch) laufen, beschränken sich auf: Rebooten. Und das erweist sich an diesem Abend als ungenügende Qualifikation, denn nachdem alles, was ich finden konnte, wieder gestartet war… geht immer noch: nix. Kein Login, keine BBS…
Da dieser detaillierte Bericht wahrscheinlich schon jetzt in den Tümpeln der Belanglosigkeit rumplatscht und den werten Leser mit grauen Haaren, Zähneknirschen und allen anderen Symptomen des Überdrusses geißelt, mache ich es kurz: es beginnen eine halbstündige SMS-Konferenz mit Kenshin, der die allgemeine Spannung geschickt zu steigern weiß, indem er auf 3-seitige Hilfegesuche mit informativen Aussagen wie „Check“ antwortet, und ausdauernde Telefonate mit Douglas, der mir vorkommt wie ein Meisterchirurg (er) bei einer Gehirnoperation, die er mit einer kopfstehenden, querschnittsgelähmten Marionette (ich) durchführen soll. Ständig peitscht mir der heiße Atem des Portiers in den Nacken und seine misstrauischen Blicke sind wie Leim auf der Tastatur… endlich, ich hänge schon leicht verzweifelt in den Seilen: die erlösende Glocke, ein SMS von Kenshin, informativ wie immer: „Ich habs gefixt“. GONG, Sieg nach Punkten für die Kara-SysOps!
Applaus, das Orchester und die Hauptdarsteller verneigen sich noch einmal, Vorhang – und dann gehen wir endlich nach Hause!!!
Inzwischen sind die Routen durch die Uni schon Routine, die G4-Schergen kennen mich mit Vornamen und fragen, wie’s Frau und Kindern geht, Schlüssel landen wieder auf ihren Haken, und eine Odyssee endet bei Pete im Mozartheim, dem ich meine Dankbarkeit und die des gesamten KaraNet-OP-Teams und natürlich aller User übermittle – alle Kara-Userinnen sind aufgerufen, sich ausgiebig und intensiv bei Don Pete zu bedanken!
Herewith endeth the account of Hope, social hacking the Uni Security Grid.
All is well that endeth… somehow, finally!